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Dezember 2011
Reparaturen am Schiff
Durban ist ein sehr guter Ort, um Reparaturen am Schiff ausführen zu lassen. Die Arbeiten werden grösstenteils mit grosser Kompetenz ausgeführt, und das zu sehr tiefen Preisen. In dieser Beziehung ist beispielsweise Neuseeland etwa doppelt so teuer, in Australien würden dieselben Leistungen gar etwa dreimal mehr kosten. Man hört auch immer wieder, dass Cape Town einiges teurer sei, ein Grund mehr, anstehende Arbeiten hier zu erledigen.
Am meisten lag uns natürlich das Rigg am Herzen. Mit gebrochenen Unterwanten sollte man nicht unbedingt weit segeln. Wir horchten uns bei anderen Seglern etwas um und fanden in Colin Bruce einen äusserst kompetenten Mann. Er arbeitet an jedem Tag der Woche, nur manchmal mit etwas tiefem Wirkungsgrad. Er ersetzte auch abgescherte Popnieten am Grossbaum und am Spibaum. Es ist wirklich wichtig, dass das Rigg von Zeit zu Zeit durch einen Spezialisten kontrolliert wird.
Trotz ausgewechselter Pumpe leistete unser Wassermacher immer weniger. So liessen wir das ganze Gerät durch Robin Sahling kontrollieren. Er wechselte einige für die Leistung wichtige Ventile aus und behob vorhandene Leckagen. Da die Maschine schon zerlegt war, wurden auch gleich alle O-Ringe ausgewechselt. Robin überholte ausserdem zu günstigen Bedingungen die alte Pumpe, die wir in Darwin auswechselten, sodass wir nun sogar eine Reservepumpe an Bord haben.
Die Firma Fonz Marine (Steve Cawdron) installiert und repariert alles, was mit Strom zusammenhängt. Sie fanden den Grund, weshalb die Motoren mit dem externen Laderegler die Batterien nicht mehr luden und ersetzten mehrere Sicherungen. Aber wir haben ja zum Glück die internen Regler in den Alternatoren belassen und können mit einem simplen Schalter umschalten. Um den Fehler mit den nicht mehr angezeigten AIS-Signalen zu beheben, brauchten sie etwa 5 Sekunden, System gewusst wie, Franken 5.-- . Anschliessend benötigten sie wohl fünf Minuten, um uns zu zeigen was sie gemacht hatten. Der Grund der fehlenden Anzeige lag darin, dass ich in Réunion das Raymarine-System reseten musste. Anschliessend an diese Massnahme muss die Übertragungsrate zwischen dem AIS-Empfänger und dem Raymarine-Bildschirm richtig eingestellt werden. Nur steht das leider nicht im Manual.
Die beiden Vorsegel brauchten neue UV-Schutzgewebe. Das wurde durch die Firma Quantum sehr gut und schnell erledigt. Gleichzeitig wurden alle Nähte kontrolliert und gegebenenfalls nachgenäht. Bei der selben Firma gaben wir auch einen neuen Segelsack in Auftrag. Das Gewebe und die Nähte des alten Sacks sind nach vier Jahren Tropensonne zerschlissen und er musste ersetzt werden, da auch der Reissverschluss Zahnausfall hatte. Hier zog sich die ganze Übung über mehrere Wochen hin, und das Endresultat entspricht nicht ganz unseren Vorstellungen. Aber da die Firma über Weihnachten und Neujahr geschlossen ist, müssen wir wohl in Cape Town noch gewisse Anpassungen machen lassen.
Wir haben uralte, etwa 30-jährige Cockpitkissen, deren Bezug nach all den Jahren durchgescheuert war. Die Firma North Sails fertigte sehr billig neue Bezüge an, sodass wir nun wieder genügend Kissen haben.
Generell gilt hier, dass man die Arbeiten erst dann komplett bezahlen sollte, wenn man auch zufrieden mit der Leistung ist. Aber wir hatten mit Ausnahme der Firma Quantum überhaupt keine Probleme. Die meisten Firmen stellen auch nur eine einfache Quittung aus, sodass sie die Steuerabgaben umgehen können. Muss man die Mehrwertsteuer bezahlen, wird sie beim Ausklarieren zurückerstattet.
Weltklimakonferenz
Durban putzte sich im Vorfeld der Konferenz sehr heraus, die Stadt war sauber und adrett. Wir erfuhren aber erst im Laufe der Zeit, dass die Street-Kids eingesammelt und in ein Lager ausserhalb Durbans gebracht wurden. Sie sollten nicht negativ auffallen. Auch Bettler und Strassenverkäufer gab es nur wenige. Diese Konferenz wurde auch zum Anlass genommen, das Umweltbewusstsein der Bevölkerung zu wecken. Ob das viel bringt, wird sich zeigen. Der Grossteil der elektrischen Energie wird in Südafrika in Kohlekraftwerken erzeugt, deren Rauchfahnen man kilometerweit sieht, auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Aber wir haben in vielen von uns besuchten Ländern ein grosses Nachholbedürfnis festgestellt, das befriedigt wird, auch wenn es auf Kosten der Umwelt geht.
Insgesamt wurde diese Konferenz hier zur Kenntnis genommen, aber viel mehr nicht. Wir wollen nur hoffen, dass die eher dürftigen Resultate der Konferenz dem Klima etwas bringen
Nochmals Durban
Wir hatten in den Wochen hier in der Durban Marina viel Zeit, um Ausflüge in die nähere Umgebung zu machen. In Durban gibt es viele Parks, ein Erbe der Engländer, die auch den Baustil von vielen der älteren Gebäude bestimmten. Der Einfluss der Holländer ist in Durban kaum feststellbar. Wir holten unsere Faltfahrräder aus der Vorpiek, um die näher gelegenen Orte zu besuchen. Da die Durban Marina nahe dem Zentrum liegt, ist vieles auch zu Fuss zu machen. Den Rest besuchten wir per Taxi.
In der Durban Marina sind im Dezember nur noch Schiffe, deren Crew nicht in Eile ist, und die Weihnachten hier verbringen wollen. Man kennt sich in der Zwischenzeit und findet immer Zeit für einen kürzeren oder auch längeren Klönschnack. Die Zeit in einem Hafen oder einer Marina ist auch immer Lesezeit. Hier in Durban konnten wir uns auch mit neuen Büchern eindecken. Daneben können auch hier Bücher unter den Fahrtenseglern getauscht werden.
Für uns war es kaum fassbar, aber der Kalender bestätigte es: es war schon wieder Weihnachten. Bereits zum fünften Mal feierten wir sie an Bord unseres guten "Kopernik" fernab von zu Hause.
Es wurden viele Naherholungsgebiete geschaffen, vor allem auch entlang des Strandes und entlang der Bucht von Durban. An Wochenenden sieht man jeweils viele Familien, die von diesem Angebot profitieren. Einer der Hauptanziehungspunkte ist sicher uShaka Marine World. Das ist ein grosses Gebiet mit Planschbecken, Wasserrutschbahnen und künstlichen Flüssen. In schön angelegten Becken kann man zwischen recht grossen Fischen schnorcheln. Im Haibecken wird man in einem sicheren Korb zwischen Haien durchgezogen, die eine respektable Länge haben. Aber das Interessanteste war wohl das Aquarium, vielleicht das Beste, das wir bisher gesehen haben. Es ist rund um einen auf vergammelt gemachten rostigen Frachter angelegt. Durch ein Loch im Rumpf gelangt man zu den verschiedenen Aquarien, die sowohl Fische der tropischen Meere als auch Kaltwasserfische enthalten.
Daneben gibt es viele Souvenir-Geschäfte und Restaurants in uShaka Marine World. Dessen ganzes Gebiet ist direkt am Strand gelegen, es ist also möglich, in den hohen Wellen des Indischen Ozeans zu baden.
Wir besuchten auch den Botanischen Garten, der eine grosse Auswahl an tropischen Pflanzen und Vögel hat. Eher für Tage mit schlechtem Wetter ist ein Besuch des Science-Museum angezeigt, dessen interessante Ausstellungsstücke wirklich einen Besuch wert sind. Weniger willkommen als Weisser ist man in den Märkten um den Victoria Market herum. Wir besuchten hier nur den indischen Teil des Marktes, der sicher ist.
Auch unter das Kapitel Attraktionen fallen die zum Teil riesigen Verkaufs-Malls. Die wohl grösste davon, das Pavilion Centre hat viele Stockwerke und ist kaum in einem Tag zu erkunden. Hier war das Publikum gemischt, aber in einer weiteren Mall, der Gateway Mall sind nur wenige dunkle Leute anzutreffen. Das muss eher an der Gegend liegen als an den Geschäften und den Preisen, weil die überall in etwa gleich sind.
Aber man spürt zwischendurch halt doch etwas von den Spannungen zwischen Schwarz und Weiss. In der Provinz Kwazulu-Natal überwiegt die schwarze Bevölkerung bei weitem und macht auch einen grossen Teil der Regierung aus. Zusammen gibt es nur etwa 7% Asiaten und Weisse gegen einen überwiegenden Rest von Schwarzen. Die Stadtregierung lässt es zu, dass direkt vor gut gehenden, von Weissen geführten Geschäften, Stände von Strassenverkäufern aufgestellt werden dürfen. Das führt dazu, dass mehr und mehr sogenannt "gute" Geschäfte schliessen oder in die riesigen Malls ausweichen. Damit wird Durban mit der Zeit komplett Schwarz, aber Jobs fehlen dann immer mehr und damit steigt die Kriminalitätsrate. Wir mussten auch feststellen, dass viele Geschäfte die Eingangstüren immer verriegelt haben. Will man z.B. im nahe gelegenen Ship Shop etwas kaufen, muss man an der Türe klingeln, und wird erst dann eingelassen. Zahlungen werden aus Sicherheitsgründen sehr häufig per Kreditkarte abgewickelt. Wenn man das Geschäft wieder verlässt, wird man mit den Worten: "Take care" verabschiedet.
Wir sprachen mit verschiedenen Weissen, welche offen äusserten, dass die Zeit vor dem Ende der Apartheid besser war. Die Besitzer kleinerer Unternehmen rechnen damit, dass sie in naher Zukunft mehr und mehr behindert werden. Aber gemäss ihren Aussagen wird es bei der nächsten Abstimmung immer noch so sein, dass die ANP (Afrikanische Nationalistische Partei) im Jahr 2012 die Wahlen gewinnen werden. Danach wird innerhalb von vier Jahren das Land soweit heruntergewirtschaftet sein, dass ein Umdenken stattfindet, oder stattfinden muss, und andere Parteien ans Ruder kommen.
Ein immerwährendes Thema ist die Kriminalität, von der wir allerdings bisher nichts spürten. Als Nelson Mandela an die Macht kam, schaffte er sofort die Todesstrafe ab. Daraufhin stieg die Rate an Morden um 400%. In Zeitungen wird deshalb auch immer etwa wieder die Einführung der Todesstrafe gefordert. Überhaupt ist der Ton gegenüber der regierenden Partei in den Zeitungen nicht sehr zurückhaltend. Ein häufig gebrauchter Ausdruck ist "Grossmaul".
Aber hier muss doch klar festgehalten werden, dass wir uns nie auch nur ein Bisschen bedroht fühlten. Die Leute, ob Schwarz oder Weiss, sind sehr freundlich und zuvorkommend. Allerdings muss man einfach während der Nacht gewisse Gebiete meiden. Waren wir ausserhalb des Marina-Areals, nahmen wir abends immer ein Taxi.
Hauptproblem Arbeitslosigkeit
Welche Partei auch immer regiert, sie muss das Problem der Arbeitslosigkeit lösen, vor allem das Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Ein Studium zu absolvieren ist keine Garantie für eine gut bezahlte Anstellung. Es gibt nur wenige Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche, und die Ausbildung muss selbst finanziert werden. Eine zweijährige Ausbildung im kaufmännischen Bereich kostet rund 30'000 Rand, also direkt umgerechnet ohne Berücksichtigung der Kaufkraft, etwa 3'500 CHF, eine Summe, die nicht einfach aufgebracht werden kann.
Das Problem fängt schon damit an, dass die allgemeine Schulpflicht durch die Behörden nicht durchgesetzt wird. Dadurch besteht auch keine Basis für eine weitergehende Ausbildung. Die Arbeitslosigkeit über die gesamte Bevölkerung von Südafrika betrug im Jahr 2010 ca. 24.9%. Sie dürfte aber in einzelnen Provinzen, wie hier in KwaZulu-Natal weitaus höher sein. Gemäss den letzten Schätzungen leben in Südafrika nun etwa 46 Millionen Menschen. Aber dazu kommen noch etwa 20 Millionen illegale Einwanderer, die auch irgendwie durch die Volkswirtschaft getragen werden müssen.
Studienplätze gibt es nur für etwa 15% der Jugendlichen. Die Arbeitslosigkeit unter den 15 bis 24-jährigen beträgt 51%. Die Regierung schafft wohl Arbeitsplätze, aber die mittlere Anstellungsdauer beträgt lediglich 46 Tage.
Am meisten Arbeitslose gibt es unter den schwarzen Frauen im Alter von 15 bis 24 mit 63%. Es ist auch ein grosser Unterschied der Arbeitslosigkeit zwischen den Rassen festzustellen. Am wenigsten Arbeitslose gibt es mit 15% unter den jungen Indern, bei den Weissen sind es 21%.
Dieses Problem wird aber mehr und mehr wahrgenommen. Da 73% der Arbeitslosen des gesamten Landes unter 35 Jahren alt sind, befürchtet man bald Unruhen, wie sie im Nordteil von Afrika stattfanden. Auch hier werden in naher Zukunft wieder Unruhen erwartet, ähnlich wie sie kurz nach dem Austritt von Südafrika aus dem Commonwealth stattfanden, und welche zur Einführung des Kriegsrechtes führte.
Wir hoffen sehr, dass das faszinierende Land Südafrika einen Ausweg aus der jetzigen Situation finden wird. Die Möglichkeiten dazu wären vorhanden.
Neujahrswünsche
Wir wünschen allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Ausblick
Nach Neujahr werden wir beim ersten Wetterfenster losfahren und hoffen, Ende Januar in Cape Town zu sein.
Wir laden jeden Tag Mails herunter, die über HBY4189@sailmail.com gesendet werden und freuen uns immer wieder sehr über Nachrichten von zu Hause.
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