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Dezember 2010
Queensland – The Sun Shine State oder "Sommer" in Brisbane
Wenn man eigentlich nichts zu sagen (oder zu schreiben) hat, spricht man über das Wetter. Das ist hier in Brisbane nicht anders als bei uns in der Schweiz. Aber wenn nun mit wildfremden Menschen über das Thema Wetter gesprochen wird, hat das seinen Grund. Brisbane liegt im Bundesstaat Queensland. Dieser Bundesstaat macht im Bereich Tourismus Reklame damit, dass er pro Jahr mindestens 300 Sonnentage mit mehr als acht Stunden Sonne pro Tag hat. Während den letzten sieben Jahre stimmte das möglicherweise auch. Es waren extrem trockene Jahre mit starken Einschränkungen im Wasserverbrauch. Unnötige Sachen wie das Waschen von Autos waren verboten. Den Bewohnern ging das Wassersparen in Fleisch und Blut über, was sich in deutlich reduziertem Wasserverbrauch äussert.
Nur leider ist in diesem Jahr alles anders. Queensland hat im Südhemisphärenfrühling sehr viel Regen erhalten. Kurz vor unserer Ankunft wurde wegen dem vielen Schwemmholz sogar der Fährverkehr auf dem Brisbane River eingestellt. Bei unserer Fahrt den Brisbane River hoch wurden wir an den Amazonas erinnert, ständig mussten wir auf unserer Fahrt auf dem Brisbane River Bäumen ausweichen. Manchmal war der Bereich der Marina fast vollständig bedeckt. Ein einigermassen trockener November entschärfte die Situation etwas, aber der Dezember war alles andere als schön. Die Weihnachtszeit ist die Hauptferienzeit der Australier, jedoch verdirbt der ständige Regen vielen Leuten ihre schönsten Tage im Jahr. Zwei Tage vor Weihnachten wurde der Fährverkehr wieder kurz eingestellt, weil Rückhalteschleusen im Oberlauf des Brisbane Rivers geöffnet werden mussten. Damit ist wieder enorm viel Geschwemmsel auf dem Fluss.
Die Situation spitzte sich zwischen Weihnachten und Neujahr dramatisch zu. Bundaberg, etwa 375 km nördlich von Brisbane wurde überschwemmt. Sehr viele Strassen mussten geschlossen werden. Etwa 500 Menschen verloren ihr Obdach und ihr ganzes Gut. In Australien wird von einem Desaster ohne Beispiel gesprochen. Bis das Hinterland von Queensland einigermassen entwässert ist, wird mit zehn Tagen gerechnet, sofern nicht neue Regenfälle einsetzen. Nach Jahren der Dürre wurde dieses Jahr die Landwirtschaftsernte ein Opfer des Wassers. Wenn wir Bilder aus Bundaberg sehen, sind wir doppelt froh, dass wir in Brisbane sind. Bundaberg wird durch einen Grossteil der Segler aus dem südpazifischen Raum angelaufen, welche die Cyclone-Season dort verbringen. Viele ankern auch nur in den Flüssen, was während dem Hochwasser wegen dem Treibholz extrem gefährlich ist. Wir wurden schon in Fiji davor gewarnt, in einem Fluss zu ankern, da diese bei Hochwasser zu reissenden Strömen werden. Eine weitere Bedrohung für die von Überschwemmungen betroffene Bevölkerung sind die Salties, die riesigen Salzwasserkrokodile. Vor ihnen wurde gewarnt, weil sie nun die Flussläufe hochsteigen.
Wir können Wasser vom Landnetz direkt in unser Bordnetz einspeisen. Damit muss unsere Wasserpumpe nicht ständig laufen, wenn wir Wasser verbrauchen. Die Qualität des Trinkwassers hier soll gut sein, wir brauchen es bedenkenlos direkt für alles ausser zum Trinken. Trinkwasser wird durch ein Aktivkohle-Silbernitratfilter filtriert und hat damit absolut keinen Beigeschmack. Hingegen fanden wir, dass das Wasser aus dem Netz in den letzten Tagen nach starken Regenfällen einen erdigen Geschmack erhalten hat. Wir hoffen, dass die Qualität durch die Regenfälle nicht weiter beeinträchtigt wird.
Das australische Bureau of Meteorology hat eine sehr gute Webseite mit Prognosen, Cyclonewarnungen, Wetterradar, Hochwasserwarnungen, usw. Auch wir gehen jeden Tag auf ihre Webseite www.bom.gov.au , um vor Überraschungen sicher zu sein. Ist etwas im Anmarsch, bringt das örtliche Radio viertelstündlich Warnmeldungen mit Verhaltensregeln bei Hochwasser und Gewittern. Wir erleben ein heftiges Gewitter mit Winden von mehr als 42 Knoten mit extremen Regen, der die Sicht auf vielleicht 100 Meter reduziert, eine richtige Weltuntergangsstimmung. Wir haben auf unserer Reise noch nie vorher solchen Regen erlebt.
Ob die nasse Witterung auch Grund dafür ist, dass wir eine kleine Echse an Bord fanden, ist nicht klar. Auch wie sie an Bord kam, wissen wir nicht. Da wir alles Getier in Australien als gefährlich und giftig ansehen, versuchten wir, die Echse zu fangen, was allerdings nicht gelang. Sie einfach platt zu machen, ging uns gegen den Strich, so lebt sie möglicherweise immer noch bei uns an Bord. Wir haben sie allerdings nicht mehr gesehen.
Ein Gutes hat die ganze Geschichte: das Wetter kann im nächsten Jahr nur noch besser werden.
Story Bridge
Das vielleicht markanteste Bauwerk in Brisbane ist die Story Bridge. Sie erinnert in ihrem Aussehen und Konstruktion stark an die Harbour Bridge von Sydney, was kein Wunder ist, wurden doch beide Brücken von John Bradfield entworfen. Benannt wurde sie nach einem verdienten Mitglied der Regierung, John Douglas Story.
Im Mai 1935 wurde mit dem Bau der Brücke begonnen, fertig gestellt wurde sie im Juli 1940. Beim südlichen Ende macht die Strasse eine kleine Kurve. Grund war ein bestehender Gasthof, der eigentlich abgerissen werden sollte. Aber nach Protesten der Bevölkerung wurde die Brücke etwas verlegt. Aus dem Gasthof wurde das heutzutage renommierte Story Bridge Hotel. Die Brücke wurde als Arbeitsprogramm der Stadtbehörde zur Zeit der grossen wirtschaftlichen Depression gebaut (ca. 1929 bis 1940), um für einen Teil der Bevölkerung Arbeitsplätze zu schaffen. Die Kosten beliefen sich damals auf etwas mehr als 1.6 Millionen Britische Pfund.
Besuch aus Sydney
Wir haben den alten Kollegen aus Technikumszeiten, Daniel Burkhardt, zum letzten Mal im Februar in Sydney gesehen. Nun konnte er es einrichten, für einige Tage nach Brisbane zu uns zu Besuch zu kommen. Zusammen besuchten wir den Botanischen Garten von Brisbane. Dane, als Kenner der Flora und Fauna Australiens, konnte uns sehr viel über Tiere und Pflanzen erzählen. Wir betrachten alles Getier hier aber als gefährlich und sind sehr vorsichtig.
An einem schönen und sonnigen Tag machten wir einen Ausflug mit dem Boot bis zum Handelshafen von Brisbane, um Daniel einen kleinen Eindruck von unserem Leben auf dem Wasser zu geben. Dabei diktierten die Gezeiten die Abfahrtszeit. Ausserdem musste die Ankunftszeit so getimt werden, dass bei der Marina Stillwasser ist. Andernfalls ist das Anlegen in der Marina wegen dem verwirbelten Wasser sehr schwierig. Als Landlubber verhielt sich Daniel an Bord ganz hervorragend, und wir hoffen, dass er uns nochmals auf unserem Weg um Australien herum besuchen kann. Zu interessant waren unsere Gespräche über seine Wahlheimat und gemeinsame Bekannte, um dies missen zu wollen. Dass wir entgegen den Wetterprognosen auch zwei Sonnentage hatten, machte den Besuch noch besser.
Arbeiten am Schiff
Wir müssen zum Glück nur wenige Arbeiten am Schiff machen. Zum Glück deshalb, weil wir hier den Professionalismus der Bootsbranche von Neuseeland vermissen. Ich wollte, dass die Firma, welche den Windgenerator repariert, diesen auch ausbaut. Das wurde aber glattweg mit dem Rat abgelehnt, einen Mechaniker zur Hilfe zu mieten. Wo wir allerdings einen Mechaniker her kriegen könnten, konnte uns nicht gesagt werden. Schliesslich bauten wir ihn selbst aus und brachten ihn mit Eisenbahn und Bus zur Reparaturfirma. Dort wurde uns ein Kostenvoranschlag innert zwei Tagen versprochen. Als ich so nach 10 Tagen nachfragte, wurde mir in einem recht arroganten Ton mitgeteilt, dass der Windgenerator nicht mehr repariert werden könne. Es gebe aber in Australien keinen Ersatz! Zum Glück erinnerten sie sich wohl daran, dass man so ein Ding selbst importieren kann, wenn man schon alles selbst machen muss. Schliesslich bestellten wir einen neuen Windgenerator, unter der Bedingung, dass er zum Schiff geliefert wird. Die Firma liegt ungefähr 30 Autominuten von der Dockside Marina entfernt.
Wir wollten auch zwei neue Kühlwasserpumpen für unsere Yanmarmotoren kaufen. Yanmar gehört zu den am weitesten verbreiteten Bootsmotoren. Zu unserem grossen Erstaunen mussten wir erfahren, dass in ganz Australien nur eine einzige Pumpe am Lager war. Und das zu Beginn der Bootssaison in Australien. Das bedeutet einfach, dass der Kunde bei einer Panne warten muss, bis Ersatz beschafft wird, was so seine Zeit dauern kann. Es sind in keinem Bereich der Bootsbranche Teile am Lager. Auch Seekarten, die wir kaufen wollten, müssen beschafft werden. Nur dass dann pro Karte ein Zuschlag von 15 AUD gefordert wird für den Übernachttransport. Schlussendlich ist es billiger, Ersatzteile und Verbrauchsmaterial in Europa oder den USA zu bestellen und sie zur Marina senden zu lassen. Bootszubehör für ausländische Yachten kann zollfrei importiert werden, wenn das Boot nicht in Australien bleibt.
Brisbane wird in unseren Pilotbüchern als eines der Yachtsportzentren Australiens genannt. Wir wurden aber häufig von einheimischen Seglern davor gewarnt, Arbeiten in Australien ausführen zu lassen oder Ersatzteile zu kaufen. Unsere Erfahrungen bestätigen dies. Wir sind kein Einzelfall, es könnten noch diverse Beispiele aufgezählt werden. Muss man dringende Reparaturen machen, ist es besser, einen Bogen um Australien zu machen und nach Neukaledonien oder nach Neuseeland zu segeln.
Wir sind sehr erstaunt über die Weise, in welcher Fahrtensegler hier durch die Bootsbranche und offizielle Stellen behandelt werden. Sie steht in krassem Gegensatz zur Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Zuvorkommenheit der Leute auf der Strasse und in allgemeinen Verkaufsgeschäften.
Weihnachten
Bereits zum vierten Mal verbrachten wir Weihnachten an Bord fern der Schweiz. Wir versuchen, immer alle alten Familientraditionen aufrecht zu halten. Dazu gehört ein Spaziergang in einen Wald. Zu Hause wäre es der Kalkgraben nördlich von Riedholz. Hier mussten wir auf den Spaziergang verzichten, zu stark war der Regen. Aber sonst wurden alle Gebräuche ausgelebt, von feinem Apero über ein Fondue Bourgignonne. Fehlen durfte natürlich auch der Tannenbaum nicht. Er hat allerdings elektrische Kerzen, was aber unserer weihnächtlichen Stimmung kein Abbruch tut. Geschenke unter dem Baum machen das Bild noch besser. Wir erhielten Bücher und DVD vom Christkind.
Besuch aus der Schweiz
Nach Weihnachten besuchte uns unser alter Kollege Ralph Mathys, schwer beladen mit vielen Beuteln von Fertigsaucen und europäischen Modellzeitschriften, die man hier nicht kaufen kann. Er mietete in Sydney ein Auto und fuhr entlang der Küste nach Brisbane. Zusammen besuchten wir ein Flugzeugmuseum (Queensland Air Museum) und waren froh, wieder an Bord zu sein. Gegen Abend wurden verschiedene Strassen gesperrt, die nach Brisbane führen.
Während den Abenden sprachen wir viel über unsere Flugmodellbauprojekte. Meine Projekte müssen allerdings noch etwas warten, Ralph kann nach seinen vier Wochen Ferien in Australien wieder hinter den Modellbau. Er wird auf Umwegen über das Landesinnere nach Sydney zurückfahren und hoffentlich mit vielen guten Erinnerungen wieder in die Schweiz zurückkehren. Wegen dem vielem Schwemmholz auf dem Fluss machten wir keine Ausfahrt mit unserem Kopernik, sondern benutzten die Fähren, um etwas von Brisbane zu sehen.
Ausblick
Im Januar kommt Stefanie zu Besuch. Wir werden dann einige Zeit in Australien herumreisen und besondere Sehenswürdigkeiten anschauen.
Alles Gute zum neuen Jahr
Wir wünschen den Lesern dieser Zeilen ein glückliches neues Jahr, gute Gesundheit und Wohlergehen
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