Dezember 2009

Camper-Ferien

Nachdem wir sie vor anderthalb Jahren zum letzten Mal gesehen haben, besuchte uns unsere Tochter Stefanie hier in Neuseeland. Zusammen wollten wir die Nordinsel bereisen und mieteten uns deshalb für zwei Wochen einen Camper. Leider braucht man viel mehr Zeit, um auch die Südinsel besuchen zu können. Aber wir wollten nicht nur auf der Strasse sein und fahren, wir wollten möglichst viel sehen. Wir umrundeten die Nordinsel im Uhrzeigersinn und legten dabei rund 2'000 km zurück.

Dass auch in einem Camper gewisse Grundsätze beachtet werden müssen, lernten wir bald, nachdem wir zweimal auf die Schnelle das gesamte Inventar des Kühlschrankes auf dem Boden verteilten, weil wir vergassen, die Kühlschranktüre zu sichern. Ähnlich wie auf einem Boot muss auch hier vor der Abfahrt alles gesichert werden. Aber das Fahren mit dem Camper war stresslos. Meistens war auch kaum Verkehr auf den Strassen, nur in den Ortschaften und Städten trafen wir vermehrt auf andere Fahrzeuge. Wir hatten ein Navigationssystem gemietet und brauchten uns damit nicht mit Kartenlesen abzugeben, was die Sache noch einfacher machte. Auch das Fahren auf der linken Strassenseite bereitete uns keine Probleme. Einige Male übernachteten wir allein an Stränden, wir wurden allerdings immer wieder davor gewarnt, weil es in der letzten Zeit einige Überfälle auf Camper gab. So übernachteten wir häufig auf Zeltplätzen, hatten aber dafür alle dortigen Einrichtungen zur Verfügung.

In der ersten Nacht am Orere Point froren wir ziemlich und fuhren deshalb wieder nach Auckland zurück, um unsere Decken vom Schiff zu holen. Nachher ging es in Richtung Bay of Plenty über den Waihi Beach. Stefanie hatte ihre Kitesurfsachen mitgebracht und hätte gerne "gekitet". Wir fanden aber in der Bay of Plenty keinen vernünftigen Platz zum Kiten. Dieser Sport ist hier nicht sehr verbreitet, Wellensurfen wird dagegen häufig ausgeübt, kein Wunder bei diesen schönen Wellen. So fuhren wir an Te Puke vorbei über Maketu nach Pukehina Beach. In dieser Gegend werden in riesigen Plantagen Kiwi-Früchte produziert.

Der Besuch von Rainbow Springs in Rotorua mit der Kiwi-Aufzuchtsstation war äusserst interessant. Fachleute schätzen, dass noch ca. 60-70'000 Kiwis in NZ leben. Dieser Vogel ist eine nationale Ikone und neben den Schafen und den Farnen das Wahrzeichen Neuseelands. Er ist nachtaktiv und längst nicht alle Neuseeländer haben je einen lebenden Kiwi gesehen, erst recht nicht in der Freiheit. Bedroht ist er vor allem durch Possume, Hunde, wilde Katzen und ähnliches Getier. Um die Kwis zu schützen, werden aus Helikoptern vergiftete Köder ausgestreut, um Possums, Luchse und ähnliche Feinde des Kiwis zu töten. Es wird dabei sogar in Kauf genommen, dass höhere Konzentrationen dieses Giftes im Trinkwasser nachgewiesen werden können. In der Aufzuchtstation darf man die lebenden Kiwis leider nicht fotografieren.

Auf den Strassen sieht man sehr viele tote Possume, kein Autofahrer bremst wegen einem Possum, im Gegenteil. Die Possume werden wegen ihres Fells gejagt, die Fellhaare werden mit der Wolle des Merino-Schafes zu hochwertiger Wolle verarbeitet. Daraus werden allerlei Strickwaren wie Jacken, Mützen, Schale, usw. hergestellt.

Neuseeland liegt in einem geologisch aktiven Gebiet, Vulkanausbrüche und Erbeben können eigentlich zu jeder Zeit auftreten, verbunden mit der Auslösung von Tsunamis. Für die Ostküste von NZ könnten die Warnzeiten nur Minuten betragen. Wir sahen häufig Evakuationspläne in öffentlichen Gebäuden. Im Thermal Reserve (Te Puia) von Whakarewarewa mit dem grösstem Geysir Pohutu nahmen wir an einer Führung durch den Park und das Maori Dorf teil. Die Erdschicht ist an dieser Stelle nur ca. vier Kilometer dick, und es brodelt und dämpft überall. In regelmässigen Abständen schiessen Geysire in die Höhe. Das warme Wasser wird zur Beheizung des Ortes verwendet. Während der Führung lernen wir vom Maori-Führer den Willkommensgruss auf maorisch: Kia Ora.

In Taupo machten wir eine kurze Wanderung zu den Huka Falls. Mehr per Zufall beachteten wir ein Schild "Scenic Lookout" und fanden einen sehr schönen und recht hohen Wasserfall. Napier war eher eine Enttäuschung für uns, es ist zu kitschig und zu touristisch nach unserem Geschmack. Napier wurde 1931 durch ein Erdbeben mit anschliessendem Grossfeuer zerstört, aber innert weniger Jahre im Art Deco-Stil wieder aufgebaut. Wir fuhren weiter über Palmerston Nord nach Waiinu Beach mit seinem schwarzen Sandstrand.

Wir folgten dem Surfhighway SH No. 45 und sahen für kurze Zeit den Mt. Egmont aus den Wolken auftauchen, was wir umgehend für Fotos nutzen. Weiterfahrt nach New Plymouth mit seinem berühmten Fitzroy Beaches zeigte ein weiteres Mal einen Strand ohne Kiter. Erst am East Side Beach treffen wir Kiter an, was Stefanie veranlasst, ihr Kite-Gerödel in kurzer Zeit zusammenzubauen. Trotz viel Wind kommt sie doch noch zum Kiten. Vom Tauchen her gewohnt, viel Material herumzuschleppen, mussten wir feststellen, dass ein Kiter noch mehr Zeugs herumschleppt.

In Waitomo buchten wir beim ältesten und bekanntesten Veranstalter von Höhlentouren eine Two-Cave-Combo in die Glühwurmhöhlen. Dort gibt es riesige Höhlensysteme, die noch längst nicht komplett erforscht sind. Wir besuchten die Ruakuri Höhle mit guter Führung mit umfangreichen Informationen. Das ist eine grosse Höhle mit vielen Tropfsteinen. Die Höhle wurde mit grossem Aufwand begehbar gemacht. Stefanie meldete sich noch zur Black Abyss Tour an. Für sie war es ein schönes und eindrückliches Erlebnis mit Abseilen ins Schwarze, Magic Fox Ride, Zwischenverpflegung mit Kakao und Kuchen unter Tag, Black Water Rafting auf Autoreifen unter Beleuchtung durch Glühwürmchen, Höhlenwanderung und Wasserfallklettern. Eva und ich kamen dadurch zu einem gemütlichen Nachmittag im Camper.

Wir besuchten auch den Glowworm Cave (Aranui Cave). Es ist sehr eindrücklich, auch die Akkustik in der Kathedrale der Höhle ist ausserordentlich. Die Neuseeländer unserer Besuchergruppe sangen dort die Nationalhymne auf Maorisch. Der Abschluss und Höhepunkt der Tour war eine kurze Bootsfahrt auf dem unterirdischen See. An der Höhlendecke sieht man viele Glühwürmer, die uns an den Sternenhimmel mahnten.

Raglan, die Surfhochburg and der Westküste konnten wir natürlich nicht auslassen, Stefanie hatte schon wieder Kite-Entzugserscheinungen. Es war für sie ein schwieriges Revier mit bis zu 7 kn Strömung und etwas viel Wind. Die letzten Nächte unserer Campertour verbrachten wir am Muriwai Beach, nördlich von Auckland. Neben einem riesigen Strand gibt es dort eindrückliche Klippen mit einer grossen Tölpelkolonie (Gannets). Stefanie kam somit nochmals zu einer recht ausgedehnten Kite-Session. Vom Muriwai Beach mussten wir leider wieder zurück nach Auckland, um unseren Camper zurückzubringen.

Für uns war das Umherreisen mit einem Camper die ideale Weise, die Nordinsel Neuseelands etwas kennenzulernen. Man hat damit immer sein Schneckenhaus dabei und kann überall übernachten, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. NZ ist gut auf die Camper eingestellt, es gibt unterwegs viele Orte, wo man sein Abwasser loswerden kann, die Waste Dumping Stations sind klar gekennzeichnet. Für uns Segler ist es wunderbar, direkt vor einem Supermarket zu parkieren und die Fressalien nicht lange schleppen zu müssen. Anderseits ist beim Fahren immer höchste Konzentration gefordert, was beim Segeln nicht unbedingt notwendig ist.

Wir genossen die Fahrt über die Nordinsel sehr. Auch der Kontakt zu den Neuseeländern war einfach und direkt. Mit ihrer schon unglaublich ruhigen Gelassenheit und Freundlichkeit gaben sie uns das Gefühl, überall willkommen zu sein. Wir hoffen, dass wir im Februar etwas Zeit haben, um auch die Südinsel noch bereisen zu können. Der spätere Besuch des Auckland Museum bestätigte uns, dass wir wohl mit unserer Route über die Insel richtig lagen. Wir haben viel gesehen und mit unseren Besuchen von interessanten Punkten einen Einblick in das Land erhalten.

Auckland

Auch Auckland als grösste Stadt Neuseelands hat eine ganze Menge zu bieten. Wir besuchten das Auckland Museum, das ursprünglich zum Gedenken der Gefallenen der letzten grossen Kriege errichtet wurde. Durch Erweiterungen und Anbauten wurde daraus ein Museum, welches einen Querschnitt durch Neuseeland wiedergibt. Kultur, Geschichte, Geologie, Flora, Fauna, Kunst, usw. werden erläutert. Prominenteste Ausstellungsstücke sind neben grossen Maori-Kanus zwei Jagdflugzeuge des Zweiten Weltkrieges, eine englische Spitfire und eine japanische Zero.

Für uns als Segler war natürlich auch das New Zealand National Maritime Museum äusserst sehenswert. Darin wird die maritime Geschichte Neuseelands geschildert, von Maori-Booten über die Segler der grossen Einwanderungszeit bis hinein in die Moderne. Im Museumshafen sind verschiedene historische Schiffe vertäut, mit denen auch Fahrten durch den Hafen von Auckland unternommen werden können. Grosse Teile des Museums sind dem Americas Cup gewidmet. NZ hat in einer hartumkämpften Serie den Australiern die älteste Sporttrophäe entrissen, nur um sie später an Alinghi zu verlieren.

Was so unter Wasser kreucht unf fleucht wird eindrücklich in Kelly Tarlton’s Antarctic Encounter and Underwater World gezeigt. In verschiedenen Aquarien sind sowohl grosse Meeresfische wie auch kleinere Süsswasserfische zu sehen. Durch einen Plexiglastunnel kann man unter einem grossen Hai- und Rochenbecken durchwandern. In einem Snowmobil macht man eine kurze Fahrt durch die Antarktis. Damit die Pinguine eine mehr oder weniger natürliche Umwelt haben, werden mehrere Tonnen Schnee und Eis pro Tag produziert. Auch die Fahrten der ersten Antarktisforscher sind durch Exponate dokumentiert.

Was man natürlich in Auckland nicht verpassen darf, ist eine Fahrt auf den Sky Tower, die 328 m hohe Touristenattraktion. Die Aussicht über den Hafen und die umliegenden Inseln ist aussergewöhnlich. Z.T. sind im Boden Plexiglasstücke eingelegt, sodass man den knapp 200 m tieferen Boden sieht. Es war wirklich lustig zu sehen, wie einige Besucher über diese Scheiben gingen, einige wurden gar bleich. Als weitere Attraktionen kann man vom Sky Tower Bungee Jumps machen oder sich mit einen Sky Walk Gänsehaut holen.

Weihnachten

Zum dritten Mal feierten wir Weihnachten von zu Hause weg. In der Schweiz hoffen die meisten Leute auf weisse Weihnachten, hier wird gehofft, dass es an Weihnachten schön und heiss ist. Die Weihnachten hier fallen in den Hochsommer und in die Hauptferienzeit der Neuseeländer, gefeiert wird häufig mit einem Grillfest am Strand.

Wir halten gewisse Traditionen aufrecht, die wir von zu Hause mitgebracht haben. Während der Adventszeit ist das Schiff geschmückt. Aber statt einem Spaziergang durch den Kalkgraben und dem Anzünden von Kerzen auf dem Friedhof war es hier ein Spaziergang durch den Victoria Park mit anschliessendem Besuch eines Pubs. Wir mussten lange warten, bis es dunkel war, und wir endlich die Christbaumkerzen anzünden konnten. Auch unser Weihnachtsessen mit dem Dessert hat eine lange Tradition.

Es guets Nüis

Wir wünschen allen unseren treuen Lesern, die uns in Gedanken begleiten, ein glückliches 2010, gute Gesundheit und Wohlergehen.

Ausblick

Im Januar werden wir hart arbeiten, alle Unterhaltsarbeiten werden dann gemacht, sodass wir die zweite Halbzeit unserer Reise gut vorbereitet beginnen können.




Stefanie in ihrer Kabine



Beim Feierabendbier



Übernachten am Strand



In Neuseeland gibt es überall Schafe



Kiwi (leider nur ausgestopft)



Volksfeind Nr. 1, der Possum



Napier



Im Thermal Reserve (Te Puia) von Whakarewarewa



Geysire



Huka Falls



Tölpelkolonie vom Muriwai Beach



Tropfsteine in der Ruakuri Höhle



schwarzer Sand an der Westküste



Rast nach einer Strandwanderung



Vorbereitung zum Kiten



Start des Drachens (Kite)



Japanisches Zero-Jagdflugzeug



In der Antarktis im Kelly Tarlton's Aquarium



Weihnachten in Auckland



Blühender Christmas Tree



Backen von Weihnachtschrömli



Auf der Weihnachtswanderung im Victoria Park



Christbaum im Niedergang von Kopernik